2. February 2026 | Von Laura Isabel Claros Schilling 

ZÀIJIÀN BEIJING ! 

Ein Bitter- Sweet Gefühl

ZÀIJIÀN BEIJING ! 

Winter ist plötzlich da. Nicht langsam, sondern ganz entschieden. Die Luft ist kalt, die Morgen stiller, und eines Tages fällt einfach Schnee. Ganz leise. Beijing wirkt auf einmal ruhiger, fast entschleunigt, als würde die Stadt kurz innehalten. Mit kalten Händen in den Taschen, dicker Jacke und einem heißen Tee in der Hand gehe ich durch Straßen, die mir längst vertraut sind. Und genau in diesen Momenten merke ich, wie sehr mich dieser Ort verändert hat.  

Beijing ist längst mehr als nur mein Alltag geworden, sie ist ein Teil von mir geworden. Sie hat mich aufgenommen, gefordert, überrascht und leise verändert. Ohne dass ich es sofort gemerkt habe, bin ich hier angekommen, in kleinen Routinen, in Wegen, die ich fast blind gehe, in Momenten, in denen ich stehen bleibe und einfach beobachte.  

Ich habe hier unglaublich viel über die Kultur gelernt, nicht aus Lehrbüchern, sondern im echten Leben. Durch Beobachten, durch Zuhören, durch Geduld. Ich habe gelernt, wie wichtig Respekt und Rücksichtnahme sind, wie viel zwischen den Zeilen passiert und wie stark Gemeinschaft hier gelebt wird. Viele Dinge sind subtil, ruhig, aber tief bedeutungsvoll. Diese Art, miteinander umzugehen, hat meine Sicht auf Kommunikation und Beziehungen verändert und auch auf mich selbst.  

Mit jedem Tag habe ich gemerkt, wie sehr ich mich angepasst habe, ohne mich zu verlieren. Ich bin offener geworden, gelassener, aufmerksamer. Dieses Auslandssemester hat mich selbstständiger gemacht und mir gezeigt, wie viel Wachstum entsteht, wenn man sich wirklich auf eine neue Kultur einlässt.  

Und dann taucht im Kalender plötzlich Weihnachten auf. Ein Datum, das sich dieses Jahr anders anfühlt. Ich vermisse mein Zuhause und meine Familie, das steht fest. Aber ich bin nicht allein. Auch wenn ich meine Familie nicht umarmen kann, gibt es hier Freunde. Menschen, die genauso weit weg von Zuhause sind wie ich. Wir verbringen diese Zeit zusammen, teilen Gespräche, Lachen und kleine Rituale. Weihnachten ist dieses Jahr anders ungewohnt, aber trotzdem warm.  

Irgendwo zwischen all dem sind aus Freunden Familie geworden. Menschen, die am Anfang Fremde waren, sind heute diejenigen, mit denen ich diese letzten Wochen teile. Wir haben zusammen gelernt, gezweifelt, gelacht und durchgehalten. Besonders in dieser intensiven Zeit sind wir enger zusammengerückt. Diese Verbindungen sind nicht oberflächlich, sie sind tief gewachsen. Und ich weiß, dass es Freundschaften für immer sind.  

Beijing ist für mich ein zweites Zuhause geworden. Ein Ort, den man nie wirklich vergisst, selbst wenn man geht. Die Erinnerungen fühlen sich so nah an, als wäre alles gerade erst passiert. Ich hoffe, eines Tages zurückzukehren durch dieselben Straßen zu laufen, dieselben Orte wiederzusehen, all diese Momente noch einmal zu fühlen. Nicht, um alles neu zu erleben, sondern um zu wissen, dass es real war. Dass dieses Kapitel existiert hat. Beijing wird immer ein Teil von mir bleiben.

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