Perth Teil II
Inzwischen befinden wir uns seit beinahe zwei Monaten in Perth und haben uns richtig in das Campus-Leben, aber auch in den australischen „Way of Life“ eingelebt.
Daily Life
Es wird inzwischen spürbar wärmer an der Westküste Australien – während es in Deutschland langsam Herbst wird, beginnt hier ja der Frühling – und Tagesausflüge an die Strände der Stadt oder Naturschutzgebiete, in denen man wandern gehen kann, lassen sich immer öfters unternehmen.
An Stränden mangelt es in Perth wirklich nicht und egal, ob man in ruhigem Wasser planschen oder sich in hohen Wellen am Surfen probieren will, es ist für jeden etwas dabei.
Auch Perths vielleicht hippstes Viertel, Fremantle, befindet sich westlich von unserem Campus am Meer. Mit seinem Hafen, seinen unzähligen Vintage und Second-Hand Läden und einem jungen und coolen Nachtleben mit Clubs und Bars lohnen sich auf jeden Fall einige Ausflüge nach „Freo“, wie es die Einheimischen nennen. Inzwischen waren wir auch mehrere Male bei den Fremantle Markets, die von Freitag bis Sonntag geöffnet haben und in denen man zwischen unterschiedlichsten Essens-, Schmuck- und Kleidungsständen für jeden etwas finden kann – einen Besuch hier können wir wirklich empfehlen.
Auch an unseren positiven Eindrücken der Universität hat sich nicht wirklich etwas verändert, der Campus ist unglaublich belebt und überall sieht man Studenten in den Cafés und Grünflachen der Anlage studieren oder einfach zusammensitzen und Spaß haben.
Wir hatten inzwischen auch schon unsere ersten Abgaben – das Notensystem an der Curtin Universität funktioniert nämlich ein wenig anders, als wir es von der Macromedia in Deutschland gewohnt sind:
Es gibt nicht eine Abschlussprüfung oder Projektarbeit am Ende des Semesters, die letztendlich die Gesamtnote ausmacht, sondern mehrere kleinere „Assessments“ über das Semester verteilt, aus deren Benotung am Ende die Gesamtnote gebildet wird.
Das bedeutet zwar, dass man sich schon während dem Semester teilweise ein wenig mehr mit den ganzen Projekten beschäftigen muss, aber den Studenten wird damit auch die Last einer einzigen, abschließenden Arbeit genommen. Und wir fanden, dass die Assessments auch mit nicht allzu viel Zeitaufwand auf jeden Fall gut zu bewältigen waren.
Was uns auf jeden Fall in unseren zwei Monaten hier überrascht hat, ist die australische Obsession mit Australien Football – eine ganz eigene Sportart, die kaum jemand außerhalb Australiens kennt, aber hier der mit Abstand größte Sport des ganzen Landes ist.
Australien Football ist irgendwie ein Mix aus Rugby und Football, jedoch mit zusätzlichen ganz eigenen Regeln, einem riesigen Spielfeld und 18 Spielern gleichzeitig auf dem Feld – pro Team!
Perth hat gleich zwei Teams, die in der Australien Football League spielen – die West Coast Eagles und die Fremantle Dockers – und obwohl wir ein Spiel der Fremantle Dockers gegen die Brisbane Lions besucht haben, sind uns viele Regeln nach wie vor ein Rätsel.
Gerade geht die Australien Football Saison auf jeden Fall in die heiße Phase und in jeder Bar sieht man am Wochenende Fernseher, auf denen die Spiele übertragen werden, aber die zwei Teams aus Perth sind leider bereits in den Playoffs ausgeschieden.
Aber bis das Grand Final Ende September steigt, sind die Australien Football Spiele für die allermeisten Australier Gesprächsthema Nummer 1.
Mit Sportangeboten kommt man in Perth aber auf keinen Fall zu kurz. Anfang August fand im Rahmen einer Pre-Season Tour des italienischen Fußballvereins AC Mailand ein Freundschaftsspiel zwischen Mailand und Perth Glory statt – und auch wenn Perth mit 0:9 verloren hat, war es für die meisten Fans ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis. Auch für uns war es lustig, an das andere Ende der Welt zu fliegen, nur um auf einmal wieder einem europäischen Team beim Fußball-Spielen zuzusehen.
Margaret River
Auch wenn es uns in den ersten Wochen aufgrund fehlendem Auto und Eingewöhnungszeit schwerer gefallen ist, richtig aus Perth rauszukommen und die weitere Umgebung zu erkunden, haben wir auch das in den letzten Wochen geschafft.
Mitte August gab es einen von unserem Studentenheim organisierten Tagestrip in die Umgebung von Margaret River, circa drei Stunden südlich von Perth.
Es ist wichtig, das gleich am Anfang zu erwähnen: Falls ihr in den Unilodge-Studentenheimen wohnt, bekommt ihr am Ende jedes Monats eine E-Mail, in denen organisierte Events für den kommenden Monat angekündigt werden. Sobald ihr diese E-Mail bekommt, holt euch sofort die Tickets, denn der Andrang ist riesig, die Plätze sind sehr begrenzt und es lohnt sich hundert Prozent.
Wir hatten wirklich Glück, weil wir sofort auf den Link gedrückt und Tickets gekauft haben, sehr viele andere Studenten, mit denen wir gesprochen haben, konnten sich keine mehr kaufen.
Um sechs Uhr in der Früh wurden wir per Bus an unserem Studentenheim abgeholt und mit einer kleinen Gruppe von rund zwanzig Studenten Richtung Süden gefahren – auch die Unilodge Organisatoren, die uns begleitet haben, waren Studenten, was für eine richtig angenehme Stimmung im ganzen Trip gesorgt hat.
Unser erster Stopp war der Boranup Forest, in dem wir eine Stunde lang den Wald auf Quads erkunden konnten, was für uns – obwohl die anderen Stationen des Tages auch wirklich sehr cool waren – das absolute Highlight des ganzen Ausflugs war.
Nach einer kurzen Pause für Mittagessen ging es weiter zur Cave Lake, einer Tropfsteinhöhle siebzig Meter unter der Erdoberfläche mit unterirdischem See, durch welche wir eine einstündige Führung bekommen haben.
Auf dem Rückweg haben wir noch einen Halt bei den Canal Rocks eingelegt, einem traumhaften Aussichtspunkt am Meer mit wilden Steinklippen, an denen meterhohe Wellen zerschellen, und von dem wir einen wirklich sehr schönen Sonnenuntergang erlebt haben, bevor es für uns wieder per Bus zurück nach Perth ging.
Das wirklich unfassbare ist, dass wir für den gesamten Tag 35 Australische Dollar bezahlt haben (umgerechnet 19-20€) – inklusive Bustransfer hin und zurück, das Quad-Fahren, die Tropfsteinhöhlentour und sogar das Mittagessen.
Das Ganze lohnt sich vom Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich sehr und wir würden echt jedem empfehlen, sich dafür Tickets zu besorgen.
Raodtrip in den Norden
Auch neu für uns in Australien war die sogenannte Tuition-Free-Week. Nach den ersten sechs Wochen des Semesters gibt es eine lehrfreie Woche, welche die Studenten zum Vorbereiten auf die nächsten Assessments nutzen können – oder unserem Fall für einen sechstägigen Trip in den Norden der Westküste.
Mit drei anderen Semester-Abroad Studenten und einem Mietwagen ging es für uns zuerst circa zwei Stunden in den Norden nach Lancelin. Hier gibt es direkt am Meer riesige Sanddünen, auf denen man sowohl Quad-Touren als auch Sand-Boards zum Dünensurfen buchen kann.
Auch diese Quad-Tour war wieder ein unglaubliches Erlebnis, das Dünensurfen dagegen ist uns nicht so wirklich gelungen. Nichtsdestotrotz sind die Dünen in Lancelin auf jeden Fall auf einem Roadtrip entlang der Westküste einen Stopp wert.
Unsere erste Nacht haben wir in Geraldton geschlafen, einem netten, aber nicht wirklich aufregendem Städtchen ungefähr vier Stunden nördlich von Perth.
Was auch für einen potenziellen Roadtrip in Australien wichtig zu wissen ist: Die Gefahr, ein Känguru zu überfahren, ist wirklich realer, als man sich anfangs vielleicht vorstellt. Alle Australier warnen einen davor, nachts und in der Stunde nach Sonnenaufgang und der Stunde vor Sonnenuntergang Fahrten zu vermeiden.
Auch wenn wir Glück hatten und uns kein Känguru vor die Motorhaube gesprungen ist, haben wir leider unzählige überfahrene Kängurus am Straßenrand liegen gesehen – und einem befreundeten Auslandssemester-Student aus Dänemark ist es leider wirklich passiert, dass er ein Känguru überfahren hat.
Das Ganze ist natürlich nicht nur unglaublich traurig für die Tiere, sondern auch versicherungstechnisch extrem teuer – also am besten am helllichten Tag fahren und wirklich aufmerksam auf die Umgebung achten.
Nach der ersten Nacht ging es für uns mit einem Zwischenstopp an der Pink Lake Hutt Lagoon, einem durch den Salzgehalt pink gefärbtem See, noch einmal knappe fünf Stunden in den Norden nach Denham.
Hier haben wir auch andere befreundete internationale Studenten aus Perth getroffen, die unabhängig von uns den gleichen Roadtrip gemacht haben.
Die ganze Gegend um Denham ist bekannt für die vielen Meerestiere, die man dort sehen kann. In Monkey Mia, circa zwanzig Minuten von Denham entfernt, kann man sich Kanus mieten und die Küste wunderbar auf eigene Faust erkunden. Man braucht hier nicht viel Glück, um Rochen oder Meeresschildkröten zu spotten.
Es gibt in Monkey Mia auch eine Delfin-Fütterung, bei der man garantiert Delfine zu sehen bekommt.
Empfehlen können wir in der Denham-Area auf jeden Fall die Little Lagoon, den Eagle-Bluff Aussichtspunkt und den Shell Beach, ein Strand, der nur aus Muscheln besteht (die Muschel-Schicht ist angeblich am höchsten Punkt neun Meter hoch).
Nach drei Nächten haben wir auf dem Rückweg nach Perth mehrere Stopps in dem Kalbarri Nationalpark eingelegt. Dort zieht sich ein Canyon durch die einzigartige, rote Steinlandschaft und es gibt unzählige Aussichtspunkte für tolle Blicke über die ewige Landschaft.
Auch empfehlenswert ist auf jeden Fall der Pinnacles Nationalpark, einem Ort, an dem sich meterhohe Skulpturen aus Kalkstein aus dem Boden strecken. Wie genau diese Steinformationen entstanden sind, ist bis heute nicht ganz geklärt – ein Spaziergang durch die Skulpturlandschaft lohnt sich aber auf jeden Fall.
Was noch kommt
Seit letzter Woche haben für uns jetzt wieder die Lehrveranstaltungen begonnen und da wir keine schriftlichen Klausuren, sondern Projektarbeiten abgeben müssen, geht es für uns langsam in die heiße Phase.
Trotzdem genießen wir natürlich weiter das Leben in Perth – die nächsten Ausflüge an den Strand sind schon geplant und auch ein Wochenende in Busselton, circa zwei Stunden südlich von Perth, steht schon im Raum.