10. November 2025 | Von Nick Bohnekamp 

Verantwortung im Praktikum

Meine Learnings aus meinem ersten Projekt als Lead  

Verantwortung im Praktikum

Hey liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,  

Vor rund sechs Wochen erhielt ich die Anfrage, ob ich die Lead-Rolle für Organisation und Produktion eines anstehenden Projekts übernehmen möchte. Damals ahnte ich noch nicht, welche Verantwortung damit einhergehen würde. Nach vielen Überstunden, einigen Fehlern, aber auch unzähligen schönen Momenten und wichtigen Learnings kann ich nun sagen: Es war eine fantastische Gelegenheit, meine Fähigkeiten auf die Probe zu stellen. Meine Hauptaufgabe war es, unser Festival auf den Medimeisterschaften durch unseren Stand und weitere Aktionen optimal zu repräsentieren. Dieses Angebot war völlig unerwartet und hat mich in meiner bisherigen Arbeit enorm bestätigt. Abseits der reinen Organisation war es zudem faszinierend, einen Blick hinter die Kulissen dieses einzigartigen Festivals zu werfen. Es war ein unglaubliches Gefühl, als Praktikant so viel Verantwortung zu bekommen, dass ich keineswegs als selbstverständlich ansehe.  

Mein Aufgabenpaket war umfangreich: Es reichte von der Gestaltung und Planung der Fläche über die Koordination der 25-köpfigen Crew und die Zeit- und Budgetplanung bis hin zur Logistik, Materialbeschaffung und dem Troubleshooting vor Ort. Während der gesamten Produktion war ich die zentrale Anlaufstelle für sämtliche Fragen und Probleme. Am meisten Freude bereitete mir dabei die Zusammenstellung und das Onboarding des Teams sowie der Austausch mit all den unterschiedlichen Menschen, von denen ich lernen konnte oder die mich mit ihrem Wissen unterstützten und inspirierten. Die größten Herausforderungen stellten die tägliche Priorisierung meiner Aufgaben und die Abstimmung mit über 30 Personen in der Vorproduktion dar.  

  

Was ich unter Verantwortung verstehe  

Für mich war dieses Projekt eine große Chance zur persönlichen Weiterentwicklung. Natürlich habe ich mir selbst viel Druck gemacht, alles bestmöglich zu planen und umzusetzen. Und ja, ich habe auch Fehler gemacht. Doch aus jedem einzelnen Fehler konnte ich unglaublich viel lernen, und es ist ein super Gefühl, eigene Fehler selbst beheben zu können. Letztendlich hatte ich mehrere Jahre auf diese Chance und dieses Vertrauen hingearbeitet, um Projekte selbstständig managen zu können. Besonders das positive Feedback meiner Crew nach dem Projekt hat meinen Selbstwert im Arbeitskontext enorm gestärkt.  

Ein besonderer Moment, als ich mir meiner Rolle bewusst wurde, war, als ich von meinem teils älteren Team als „Chef“ bezeichnet wurde. Das hat mich schon sehr überrascht, da ich mich selbst noch als Lernenden sehe. Doch diese Situation zeigte mir, dass ich durch mein Auftreten und meine Planung als Führungskraft wahrgenommen werde. Es war auch eine tolle Bestätigung, dass sich unser erfahrenes Bau-Team des Festivals vollkommen auf meine Planung verlassen hat. Und ich habe gemerkt, dass ich meiner Rolle gerecht werden konnte, da alle Probleme und Fragen während der Produktion bei mir landeten und ich sie in kürzester Zeit lösen konnte. All diese Erfahrungen und Eindrücke bedeuten mir so viel, da ich mich dadurch weiterentwickeln und meine Stärken sowie Schwächen besser einschätzen kann.  

Durch diese Führungsrolle musste ich lernen, dass man Aufgaben abgeben muss, da man seinen hohen Workload selten allein stemmen kann. Das bedeutet, sich Freiräume zu schaffen – was sich anfangs falsch anfühlte, aber notwendig war, um mich nicht zu überarbeiten. Verantwortung bedeutet auch, dass man nach Feierabend nicht komplett abschalten kann, weil man das Projekt weiter optimieren und Ergebnisse reflektieren möchte.  

  

Meine Learnings aus diesem Projekt  

  • Grenzen setzen und Unterstützung suchen: Als mein Workload eine Woche vor den Medis durch krankheitsbedingte Ausfälle unerwartet anstieg, musste ich schnell feststellen, dass ich dies nicht allein schaffen konnte. Deshalb suchte und bekam ich Hilfe von meinen Kollegen. Auch bei Unsicherheiten (Lagerorte, sicherheitsrelevante Themen) habe ich das Team um Feedback gebeten und bei der Auswahl der verschiedenen Crews auf erfahrene Leute gesetzt. Wichtig hierbei ist, dass man einschätzen kann, was man selbst gut kann und wo man sich Unterstützung suchen sollte.  

  

  • Fehler sind Learnings: Durch dieses Projekt habe ich gemerkt, wie sehr man aus seinen Fehlern lernt, wahrscheinlich sogar noch viel mehr als im normalen Praktikumsalltag. Ein großes Learning aus dieser Zeit war, dass ich mich nicht blind auf die Aussagen von Leuten mit Erfahrung verlassen kann. Wenn ich die Verantwortung trage, muss ich jede Information in Bezug auf die Produktion selbst verifizieren oder bestätigen lassen. Dies führte an einem Verladung Tag zu einigen Problemen, die durch meine mangelnde Kontrolle entstanden sind. Dieser Fehler hat mir klargemacht, wie wichtig es ist, in einer Führungsposition proaktiv zu prüfen, statt einfach zu vertrauen.  

  

  • Genaue Planung & Prioritäten: Ich habe das Projekt mit vielen Dokumenten (Excel, Präsentationen, Planer) begleitet, die ich ständig aktualisiert habe, um den Überblick über das vielschichtige Projekt zu behalten. Eigene persönliche tägliche “Catch-Ups” am Vor- und Nachmittag halfen mir, meine Prioritäten an den derzeitigen Stand anzupassen, da sich stündlich Änderungen ergaben. Langfristige Deadlines festzulegen und auf dieser Basis wochenweise grobe Pläne zu erstellen, hat mir sehr geholfen, den Überblick zu behalten.  

  

  • Transparente Kommunikation: Ich habe versucht, meine Anweisungen immer zu begründen, damit das Team meine Entscheidungen nachvollziehen konnte. Und für mein Management habe ich kompakte Entscheidungsgrundlagen mit ausgearbeiteten Varianten erarbeitet, um schnelles Feedback zu erhalten.  

  

  • Vertrauen geben, Verantwortung abgeben: Mir ist es wichtig, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die sich nicht nach Arbeit anfühlt und jedem viel Freiraum bietet. Indem ich Wünsche und Anregungen ermöglichte und persönliche Gefallen tat, merkte ich schnell: Was man gibt, bekommt man zurück. Mein Team sprang ein, als ich Entlastung brauchte. Ein super Gefühl, wenn man sich aufeinander verlassen kann.  

 

Dieses Projekt, welches auf der einen Seite viel Anstrengung abverlangte, aber auch super viel Spaß gemacht hat, zeigte mir, wie viel man lernen und auch leisten kann, wenn man Verantwortung übernimmt. Es war eine sehr besondere Zeit mit vielen wertvollen Erkenntnissen.  

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