Nordlichter in der südlichsten Stadt
Der schnellste Weg, die SIT-Apartments zu leeren, ist nicht der Feueralarm, sondern die nächtliche Polarlichtwarnung.
Sobald die Benachrichtigung erscheint, sind plötzlich alle Studenten in Invercargill in Kapuzenpullis und fragwürdigen Schuhen draußen und rennen zu jedem Ort, von dem aus sie den südlichen Himmel sehen können. Für etwa eine Stunde werden wir alle zu Amateurastronomen und -Fotografen.
Aber es steckt auch eine tiefere Bedeutung dahinter.
In Te Ao Māori werden die Südlichter manchmal Tahu-nui-ā-Rangi genannt, was so viel wie „das große Feuer von Rangi“ (Himmelsgott) bedeutet. In manchen Traditionen können sie die Energie oder Anwesenheit der Vorfahren symbolisieren. Das zu erfahren, hat unsere Sicht auf diese Nächte verändert. Es ist nicht nur eine farbenfrohe Ablenkung vom Lernen, sondern ein Moment, der uns mit dem Land, miteinander und mit Menschen verbindet, die diesen Himmel schon lange vor uns beobachtet haben.
Dann gehen die Lichter aus, und alle eilen zurück, um ihre bis 9 Uhr abzugebenden Aufgaben fertigzustellen und der Kreislauf beginnt von neuem.
Typisch Invercargill.
Frühling nach dem Sturm
Als der Oktobersturm über Invercargill fegte, saß ich in meinem Studentenwohnheim und hörte, wie der Wind das Gebäude erschütterte wie nie zuvor. Das Heulen und das anhaltende, schwere Dröhnen ließen einen hoffen, dass die Fenster halten würden.
Am nächsten Tag waren die Schäden unübersehbar. Abgebrochene Äste lagen auf den Straßen, Mülltonnen waren umgeworfen und der Queens Park sah überhaupt nicht mehr so ruhig und ordentlich aus wie sonst. Einige der größten Bäume waren umgestürzt, Wege waren blockiert und der ganze Park wirkte seltsam bedrückend und still. Es war schwer zu begreifen, wie viel sich über Nacht verändert hatte.
Doch in den letzten Wochen hat der Frühling langsam begonnen, alles wieder zum Leben zu erwecken. Die abgebrochenen Äste sind verschwunden und die Sonne lässt sich endlich wieder blicken, während an den Stellen, an denen der Sturm Lücken hinterlassen hat, neue Blätter und Blüten sprießen. Wenn man jetzt durch den Queens Park geht, sieht man sowohl das, was verloren gegangen ist, als auch das, was wieder zu wachsen beginnt.
Dunedin
Als kleine Erholung während der stressigen Klausurenphase, beschlossen wir am Wochenende den Bus nach Dunedin zu nehmen, eine kleine Stadt an der südöstlichen Küste. Dort verbrachten wir ausschließlich den ganzen Tag im dort berühmten botanischen Garten, der erste und älteste botanische Garten Neuseelands.
Wir waren erstmal eine gute Stunde an einem Teich beschäftigt, wo wir die Enten und Tauben mit Körnern futterten, die man sich am Infokiosk holen konnte. Wir hatten dort auch unseren Schneewittchen-Moment, denn mache Tauben hatten keine Angst und setzten sich auf unsere Hände und Arme, um die Körner zu essen.
Dies waren nicht die einzigen geflügelten Tiere, die wir an diesem Tag sahen, denn der botanische Garten besitzt auch eine Voliere, wo wir auf kreischende Vögel und sprechende Papageie trafen. Besonders verzaubert waren wir von einem Kakadu namens Cookie, der ab und zu „hallo“ sagte, vor allem jedes Mal, dass wir versuchten den nächsten Vogel zu besichtigen und wegzugehen. Man kann durchaus sagen, dass dieser kleine Vogel uns mindestens eine halbe Stunde aufhielt, während wir neugierig zuguckten, wie er im Sand rumbuddelte und an Steinen knabberte.
Im Gegensatz zu anderen botanischen Gärten ist der botanische Garten in Dunedin kostenlos, wodurch der Ort sehr lebhaft ist und man viele Menschen beim Spazierengehen oder Picknicken beobachten kann. Insgesamt hat es uns dort sehr gut gefallen. Der Garten ist wunderschön und definitiv einen Besuch wert. Obwohl wir nur wenige Stunden in Dunedin hatten, hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt.
Und noch ein kleiner Tipp von uns: Falls ihr euch jemals im botanischen Garten in Dunedin befindet, empfehlen wir euch im kleinen blauen Zug am Eingang des Gartens einzusteigen. Er ist wahrscheinlich eher für Kinder geeignet, aber der Lockführer hatte wirklich viele interessante Fakten über den Garten zu erzählen, und die Einnahmen für das Ticket kommen direkt dem Garten zugute.
Endlich können wir wieder rausgehen und eine Pause von unseren Assignments machen, um die Sonne zu genießen (etwas, das wir seit unserer Ankunft hier nicht oft gesehen haben).