26. December 2025 | Von Arndt Möller 

Meine letzten Wochen in Kanada

Zwischen Wildtieren, Playoffs und Abschiedsgedanken

Meine letzten Wochen in Kanada

Meine Zeit in Kanada neigt sich langsam dem Ende zu. Es fühlt sich seltsam an darüber nachzudenken, denn in meinem Kopf bin ich doch gerade erst angekommen. Aber mein Kalender widerspricht mir: Das Semester geht auf die Zielgerade zu, und mit jedem Tag, der vergeht, rückt auch mein Rückflug ein Stück näher. Zwischen Abgaben, Präsentationen und dem alltäglichen Uni-Chaos suchte ich bewusst nach Momenten, die ich noch mitnehmen wollte. Und wie es sich für jemanden gehört, der Journalismus studiert, nutzte ich meine Freizeit nicht einfach nur zur Erholung – sondern zur Recherche, um die kanadische (Sport-)Kultur zu erkunden. 

Spontan machte ich mich, zusammen mit ein paar Mitstudierenden, auf den Weg zum North Island Wildlife Recovery Centre in der Nähe von Parksville. In der Auffangstation werden verletzte oder eingeschränkte Tiere gepflegt – mit dem Ziel, sie eines Tages wieder auszuwildern. Wir liefen an Gehegen vorbei, in denen Bären, Eulen, Adler und einige Raben untergebracht waren. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Arbeit, Zeit und Herzblut das Team investiert, um den Tieren eine zweite Chance zu geben. 

Während ich noch gedanklich bei den Tieren war, erwartete mich – und das gesamte Land – etwas Spektakuläres. Denn Kanada erlebte einen dieser seltenen Momente, in denen ein ganzes Land komplett im Bann eines Sportereignisses stand: den Playoff-Run der Toronto Blue Jays. Die Blue Jays sind das einzige kanadische Team in der Major Baseball League (MLB), und gefühlt verwandelte sich das Land in dieser Phase in eine einzige riesige Fanbase. Überall sah man Caps mit dem blauen Jays-Logo, jede Bar zeigte die Spiele, Gespräche drehten sich automatisch um das Geschehen auf dem Spielfeld. 

Auch wenn die Jays am Ende das Finale – trotz Führung – verloren, war nichts von Enttäuschung zu spüren. Vielmehr war da Stolz, eine kollektive Stimmung: Das ganze Land stand bis zum Schluss hinter dem Team. Gerade in solchen Momenten wurde mir klar, wie sehr Sport die Menschen verbinden kann. 

Kurz darauf ging es für mich nach Vancouver, um ein Playoff-Spiel der BC Lions, einem Canadian-Football-Team, zu sehen. Besonders beeindruckte mich, wie viel Leidenschaft die Fans mitbrachten. Die Arena vibrierte, und das Spiel hielt, was es versprach. Die Lions gewannen durch ein Field Goal in der letzten Sekunde, und das Stadion explodierte förmlich. Solche Momente bleiben einfach unvergessen. 

Ein weiteres Highlight war der Besuch eines Fußballspiels der Vancouver Whitecaps, bei denen unter anderem Thomas Müller spielt. Im Viertelfinale traf Vancouver auf LAFC, bei denen der ehemalige Hamburger Heung-Ming Son spielte. 

Das Spiel selbst war ein echter Nervenkitzel: Die Atmosphäre war ganz anders als in Deutschland. Es ging bis ins Elfmeterschießen – und am Ende gingen die Whitecaps als Sieger hervor. 

Bevor meine Zeit in Kanada sich endgültig dem Ende zuneigt, wollte ich noch ein sportliches Ereignis miterleben, das mir besonders wichtig war: das erste Spiel der Vancouver Goldeneyes in der PWHL (Professional Women’s Hockey League). Die Arena war ausverkauft und in Teamfarben gestaltet. Die Goldeneyes holten ihren ersten Sieg direkt in der Overtime, und die Stimmung war unglaublich: viel Jubel, Freude und eine ganz entspannte, lockere Atmosphäre – ganz anders als manch anderes Eishockeyspiel, das man kennt. Für mich war dieses Spiel ein Moment, den ich bestimmt noch lange in Erinnerung behalten werde. 

Natürlich muss man nicht immer nach Vancouver fahren, um Sport zu erleben. Auch in Nanaimo selbst gibt es Uni-Teams und lokale Mannschaften. Egal ob Eishockey, Volleyball, Basketball, Baseball oder Fußball – auch auf der Insel findet man alles, was das Sportherz begehrt, dazu mit richtig guter Stimmung. 

All diese Erlebnisse zusammen waren ein wichtiger Teil meines Aufenthalts: Sie haben mich das Land besser verstehen lassen – seine Kultur, seine Begeisterung, seine Menschen. 

Und jetzt? Jetzt wird es Zeit, Abschied zu nehmen – mit einer Mischung aus Wehmut Kanada zu verlassen und Vorfreude auf das nach Hause kommen. Ich habe so viel erlebt, gesehen, gefühlt. Viel mehr, als ich in Worte fassen könnte. Vier Monate vergingen am Ende doch recht schnell. 

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