1. December 2025 | Von Arndt Möller 

Zwei Monate Kanada

Zwischen Midterms und den Rocky Mountains

Zwei Monate Kanada

Seit mittlerweile über zwei Monaten lebe ich nun in Nanaimo auf Vancouver Island. Wenn ich daran denke, wie aufgeregt ich am ersten Tag hier angekommen bin, fühlt es sich einerseits an, als wäre es gestern gewesen – andererseits habe ich in dieser kurzen Zeit schon so viel erlebt, dass es fast wie ein kleines eigenes Leben wirkt. Mit dem Oktober ist nun auch die Hälfte meines Auslandssemesters vorbei, und ich merke, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man sie wirklich auskostet.

Die letzten Wochen waren eine bunte Mischung aus Uni-Alltag, Prüfungsstress und Abenteuern. Zum ersten Mal standen die sogenannten Midterms, also Zwischenprüfungen, an. Ich war anfangs etwas nervös, da ich nicht wusste, was mich erwartet – schließlich ist das kanadische Universitätssystem doch etwas anders als in Deutschland. Doch schnell stellte sich heraus: Die Prüfungen sind hier fair und studentenorientiert gestaltet. Das nahm mir viel Druck und ließ genug Zeit, auch außerhalb des Campus Neues zu erleben. Und genau das habe ich genutzt – mit einem Ausflug, der alles bisherige in den Schatten stellte: eine Reise in die Rocky Mountains. Los ging es an einem Donnerstagnachmittag mit der Fähre nach Vancouver, wo unser Abenteuer am nächsten Morgen startete. Zufällig fand an diesem Abend das erste Saisonspiel der Vancouver Canucks statt – das NHL-Eishockeyteam der Stadt. Inmitten einer unglaublichen Stimmung sah ich die Canucks mit 5:1 gegen die Calgary Flames gewinnen. Ich konnte also schon den ersten Erfolg feiern, bevor der Trip überhaupt angefangen hat.

Am Freitagmorgen startete dann unsere lange Busfahrt Richtung Valemount, unserem ersten

Stopp. Unterwegs hielten wir in kleinen Orten wie Kamloops und Hope – letzteres bekannt als Drehort der Rambo-Filme. Nach einem gemeinsamen Thanksgiving-Dinner fielen wir abends müde, aber glücklich in unsere Betten im Hostel.

Der nächste Tag führte uns nach Jasper in Alberta. Obwohl Alberta direkt an British Columbia grenzt, dauerte die Fahrt fast zehn Stunden. Auf dieser Fahrt wurden mir die Ausmaße von Kanada erstmals richtig bewusst. Im Jasper National Park erwartete uns pure Natur: gewaltige Berge, eisblaue Gletscher und tosende Wasserfälle. Als es am Nachmittag plötzlich zu schneien begann, konnten wir sogar unsere erste kleine Schneeballschlacht im Oktober starten. Später wärmten wir uns bei einem heißen Getränk und klassischer kanadischer Poutine (Pommes mit Bratensoße und Käse) auf, bevor es zurück ins Hostel ging.

Am dritten Tag waren wir dann endgültig im Winter angekommen. Unser erster Halt war der berühmte Lake Louise, den beispielsweise einen Tag zuvor Justin Biber besuchte. Nach einer kleinen, rutschigen Wanderung konnte man einen perfekten Blick auf den See werfen. Danach ging es weiter nach Ban , wo wir etwas Zeit hatten, durch die Stadt zu schlendern und einen „Beaver Tail“ zu probieren – ein frittiertes Teiggebäck, das man mit verschiedenen Toppings genießen kann. Zum Abschluss des Tages wagten sich einige Mutige noch in den eiskalten Emerald Lake. Dieser versprach, dass man ein anderer Mensch werde, wenn man einmal in ihn eintauchte. Ich entschied mich jedoch für etwas Konstanz und verzichtete freiwillig.

Montag hieß es dann schließlich: Abschied nehmen. Die Rückfahrt führte uns von Golden, Alberta, zurück nach Vancouver. Doch bevor es endgültig nach Hause ging, wartete noch ein letztes Abenteuer: die Golden Skybridge, eine Hängebrücke in 129 Metern Höhe. Von dort aus hatte man einen atemberaubenden Blick auf die umliegende Berglandschaft – ein perfekter Abschluss unserer Tour. Und als wäre das nicht genug, entdeckten wir auf der Rückfahrt sogar noch eine Bärenfamilie, die sich gemütlich an einem Baum versammelt hatte.

Zurück in Nanaimo ging es dann wieder zurück in den Studenten-/ Midterm-Alltag. Pünktlich nach den Prüfungen, hatte ich dann aber die Möglichkeit mit indischen Mitstudierenden Diwali, das hinduistische Lichterfest, zu feiern. Zu vielen Lichtern gab es typisch indisches Essen und viel Geselligkeit. Es war einer dieser Abende, an denen man spürt, dass man nicht nur reist, um Orte zu sehen, sondern auch um Menschen, Geschichten und Kulturen kennenzulernen.

Apropos Geschichten: Man darf gespannt bleiben welche weiteren Geschichten mich in meinen letzten beiden Monaten in Kanada noch erwarten.

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