Kamera-Equipment, Technik und Filmmaking in der Praxis
Ich bin Filmmaking-Studentin im 5. Semester und hatte die Möglichkeit, im Rahmen des Erasmus+-Programms mein Praxissemester bei Camera Rentals zu absolvieren, einem Kameratechnikverleih in Amsterdam.
Von Anamorphics über Variationen an Zeiss Standard-Primes bis hin zu alten sowjetischen Vintageoptiken besitzt Camera Rentals eine der größten Objektivsammlungen in Europa – was mich sehr beeindruckte, als ich dort mein Praktikum anfragte – und zunächst sehr überforderte, als ich es sechs Monate später schließlich anfing.
Meine Aufgabe war hauptsächlich das Aus- und Einchecken von Equipment, das für verschiedenste Jobs gemietet wurde. Dazu zählten vor allem Commercial Shoots, aber auch dokumentarische oder Feature Film Produktionen.
Zusammengefasst bestand unsere Aufgabe darin, sicherzustellen, dass das Equipment vollständig und unbeschadet das Rental verließ und gleichermaßen wieder zurückkam. Zu diesem Prozess gehörten unter anderem Aspekte wie das Testen von Kabeln und Ports an den Kameras oder das Reinigen und Untersuchen der Optiken auf Beschädigungen.
Ich konnte an Studierendenfilmsets und low- to no-budget-Produktionen zwar einiges an Kameraerfahrung sammeln, allerdings nicht in dem umfassenden technischen Ausmaß, mit dem ich nun alltäglich arbeitete. Zwar war ich mit dem Großteil der Items auf den Listen zumindest in der Theorie vertraut, aber hatte auch diese davor nie in all ihren einzelnen Schrauben, Klemmen und Adapterteilen namentlich zuordnen müssen.
Jedoch war ich von Anfang an bereit alles an Wissen mitzunehmen, was es zu wissen gab, und hatte daher eine schnelle Lernkurve. Meine Kollegen waren immer bereit, mir alle meine Fragen im Detail zu beantworten und wenn es die Zeit erlaubte, auch die technischen Hintergründe zu demonstrieren, was ich sehr wertschätzte.
Nach nur wenigen Wochen war ich mit dem Großteil des Equipments vertraut und Sets, die häufiger gemietet wurden, konnte ich auf den ersten Blick auf Vollständigkeit überprüfen. Somit konnte ich nach und nach immer mehr selbstständig arbeiten und wandelte von einer meiner Kollegen assistierenden Rolle zunehmend in eine eigenständig arbeitende.
Es gab insgesamt sieben Test Lanes, in die wir das Equipment jeweils sortierten und die Set-ups aufstellten. Bei besonderem Grip-Equipment bereiteten wir auch dieses vor und testeten es gegebenenfalls, um herauszufinden, ob für dessen Nutzung beispielsweise Adapterplatten oder bestimmte Schrauben zusätzlich nötig waren.
Ein großer Teil der Jobs wurde nachts zurückgebracht, weshalb wir die erste Hälfte des Tages in der Regel damit verbrachten, diese einzuchecken. Ein besonders zeitintensiver Bestandteil hiervon war das Einchecken und Reinigen der Objektive. Diesen Prozess dokumentierte ich auf sogenannten Lens Sheets, auf welchen sämtliche Beschädigungen oder Eigenheiten der individuellen Optik eingetragen und in Modellskizzen eingezeichnet wurden.
Durch plötzliche und drastische Temperaturschwankungen oder unachtsamen Transport auf langen Reisen konnten zum Beispiel Schäden an der Iris oder dem Fokus entstehen. Wenn mir hier beim Testen der Mechaniken Abnormitäten auffielen, konsultierte ich die spezialisierten Lens Technicians. Häufig konnten die Probleme einfach behoben werden, etwa durch das Nachziehen winziger Schrauben im Inneren der Optik oder das Ölen der Mechaniken.
In einem solcher Fälle war beispielsweise das Auflagemaß einer Optik nicht korrekt eingestellt und ich konnte von einem der Lens Technicians lernen, wie man dieses durch das Anpassen der Shims korrigiert, und diese beim zweiten Anlauf auch selbst einsetzen.
Besonders motiviert war ich auch, den Umgang mit Filmkameras zu lernen.
Ein Kollege brachte mir anhand von 16mm-Kameras bei, wie man den Film korrekt in das Magazin einlegt und die Kamera bedient, sowie die Relevanz der korrekten Belichtung im Vergleich zu digitalen Kameras.
Bevor ich für mein Praktikum nach Amsterdam zog, bin ich noch nie in den Niederlanden gewesen. Ich war besonders überrascht davon, wie kompakt die Stadt und die Niederlande allgemein sind. Innerhalb von 30-40 Minuten ist man mit dem Zug in jedem anderen Teil der „Grote Vier“ – Rotterdam, den Haag oder Utrecht.
Gerade Amsterdam ist mit seinen Krachten und verwinkelten Gassen eine sehr interessante Stadt zu erkunden; aber auch eine sehr stürmische. Das Wetter ist hier jeden Tag wie in Deutschland im April, aber man gewöhnt sich schnell an die niederländische Art, gar nicht erst auf den Wetterbericht zu schauen und grundsätzlich immer eine Regenjacke dabei zu haben.
Da ich Deutsch und Englisch fließend spreche, ging ich davon aus, dass mir die Sprache keine Probleme bereiten würde, und zum Großteil konnte ich mir einzelne Wörter, sowie einfache Sachverhalte in Konversationen auch gut herleiten.
Dennoch habe ich schnell festgestellt, dass sich Niederländisch vor allem in der Aussprache doch sehr abgrenzt. Es fiel mir daher deutlich leichter, Geschriebenes zu verstehen als Gesprächen zu folgen, geschweige denn mich aktiv an diesen zu beteiligen. Glücklicherweise spricht nahezu jeder in den Niederlanden sehr gutes Englisch, weshalb ich in der Regel gut zurecht kam mit nur „Dank je wel“, „Alsjeblieft“ und „Dui“ (und „Ik spreek niet goed Nederlands“).
Rückblickend war meine Zeit in Amsterdam persönlich sehr bereichernd und äußerst lehrreich. Ich durfte während meines Aufenthaltes hier viele wundervolle Menschen kennenlernen und Erfahrungen und Begegnungen mitnehmen, die mich auch nachhaltig prägen werden.
In meinem Praktikum konnte mir sehr viel neues Wissen aneignen und festigen, wovon ich davor ein nur oberflächliches Verständnis hatte. Dadurch hat sich meine praktische Herangehensweise an die Kameraarbeit stark verändert, was ich vor allem beim Dreh meines Abschlussfilms im Dezember letzten Jahres realisiert habe.
Ich bin sehr dankbar dafür, diese Chance erhalten und genutzt zu haben, um meine technischen Kenntnisse auszubauen und praktische Erfahrungen zu sammeln, die mich in meinem zukünftigen Werdegang weiterbringen werden.