30. March 2026 | Von Amelie Vaupel 

Mein Erasmus+ Praxissemester in Antwerpen

Strickdesign, neue Routinen und ein Leben in einer anderen Stadt

Mein Erasmus+ Praxissemester in Antwerpen

Sechs Monate in Antwerpen zu leben und zu arbeiten, bedeutete für mich nicht nur ein Praxissemester, sondern auch, mich in einen neuen Alltag, eine andere Arbeitskultur und eine neue Stadt einzulassen. Für mein letztes Semester im Modedesignstudium an der Hochschule Macromedia habe ich mein Praktikum bei Maison Tricot absolviert, einem Designstudio mit Fokus auf Strickdesign, Materialforschung und textile Objekte.

 

Arbeiten bei Maison Tricot

Mein Arbeitstag begann meist um 9 Uhr mit einem kurzen Morgenmeeting, in dem die Aufgaben für den Tag besprochen wurden. Je nach Projekt arbeitete ich entweder im Atelier oder im Büro. Im Studio lag mein Schwerpunkt auf dem Erstellen von Samples, Materialforschung, Qualitätschecks sowie dem Produzieren und Stricken von Kleidungsstücken und Objekten. Besonders diese handwerklichen Tätigkeiten waren für mich sehr lehrreich, da ich mein technisches Wissen im Bereich Strick stetig erweitern konnte.

Im Büro unterstützte ich bei Marketingaufgaben, Präsentationen und organisatorischen Abläufen. Gearbeitet wurde in der Regel bis etwa 17 Uhr, mit viel eigenständigem Arbeiten und Verantwortung. Freitags fand meist eine Wochenplanung statt, bei der kommende Projekte und Prioritäten gemeinsam besprochen wurden. Überrascht hat mich vor allem die Zusammenarbeit mit großen Textil-Marken und die Nähe zur tatsächlichen Produktion, ein Einblick, den man im Studium oft nur theoretisch bekommt.

 

Ankommen und Wohnen in Antwerpen

Meine erste Unterkunft habe ich durch andere Praktikant:innen gefunden, die sich netterweise bei mir gemeldet hatten. Ich konnte zunächst einen Monat bei einer der Praktikant:innen wohnen und bin später sogar in eine Wohnung im Haus meiner Chefin gezogen, eine Erfahrung, die mir den Einstieg sehr erleichtert hat. Mein Tipp: In Facebook-Gruppen nachfragen, Studierendenwohnheime prüfen und keine Scheu haben, Kontakte zu nutzen. Wohngemeinschaften helfen sehr, um schnell Anschluss zu finden.

Die Sprache war für mich kein großes Hindernis, da viele Menschen Englisch sprechen. Außerdem war ich es bereits gewohnt, längere Zeit im Ausland zu sein. Besonders hilfreich war, dass ich schnell von den anderen Praktikant:innen aufgenommen wurde, das hat das Ankommen enorm erleichtert.

 

Leben in der Stadt

Antwerpen ist eine sehr schöne, überschaubare Stadt, deutlich ruhiger als Berlin, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Ich habe dort das Fahrradfahren wieder für mich entdeckt und konnte vieles bequem erreichen, da ich zentral gewohnt habe. Die Modeszene ist stark in der Stadt verankert, und es gibt zahlreiche Ausstellungen, Museen und kulturelle Angebote. Ein ruhigeres, aber sehr schönes Viertel ist Berchem.

In meiner Freizeit bin ich gerne in Cafés gegangen, vor allem zum Frühstück, wo ich einige gute vegane Optionen gefunden habe. Die Mischung aus Stadtleben, Design, Kunst und einer gewissen Entschleunigung hat mir sehr gefallen.

 

Erwartungen, Learnings und Erasmus+

Meine Erwartung war, überwiegend im Atelier zu arbeiten. In der Realität nahm der Marketing- und Organisationsanteil einen größeren Raum ein, als ich zunächst gedacht hatte. Auch wenn das manchmal anders war als erwartet, habe ich dadurch viel über die wirtschaftlichen und kommunikativen Seiten eines Designstudios gelernt, ein wichtiger Teil der Branche.

Mein Praktikum habe ich mit Unterstützung von Erasmus+ gemacht. Ohne die finanzielle Förderung hätte ich dieses Praxissemester so wahrscheinlich nicht umsetzen können. Erasmus+ hat mir die Sicherheit gegeben, mich auf die Arbeit und das Leben vor Ort zu konzentrieren.

 

Mein Fazit

Ein Praktikum im Ausland lohnt sich immer. Selbst wenn sich am Ende herausstellt, dass es nicht genau der Bereich ist, in dem man später arbeiten möchte, nimmt man wertvolle Erfahrungen mit – fachlich, persönlich und kulturell. Man lernt eine neue Stadt kennen, wächst an Herausforderungen und hat mit etwas Glück die Chance, tolle Freundschaften zu schließen.

Antwerpen und mein Praktikum bei Maison Tricot haben mich in meinem Wunsch bestärkt, mich weiter mit Strick- und Textildesign zu beschäftigen. Vor allem aber haben sie mir gezeigt, wie wichtig es ist, offen zu bleiben, Neues auszuprobieren und den eigenen Weg Schritt für Schritt zu finden.

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