27. March 2026 | Von Yasemen Aslan 

Mein Erasmus+ Praktikum in Istanbul

Mein Erasmus+ Praktikum in Istanbul

Acht Monate. So lange habe ich nach der perfekten Praktikumsstelle gesucht. Es gab Momente, in denen ich gezweifelt habe, in denen Absagen kamen oder ich nicht wusste, ob es überhaupt klappen würde. Aber ich habe nie aufgegeben. Ich wusste, dass ich mein Praxissemester unbedingt im Ausland machen wollte – und am liebsten in Istanbul, einer Stadt, die ich schon lange liebe. Also habe ich weitergesucht, weitergeschrieben, weiter gehofft. Und irgendwann hat sich alles gefügt.

Die Vorbereitungszeit war intensiv und teilweise herausfordernd. Besonders die

Wohnungssuche war ein Abenteuer für sich: Meine Wohnung habe ich tatsächlich erst zwei Tage vor meinem Flug über sahibinden.com gemietet. In Istanbul laufen viele Prozesse schnell und spontan ab – das war anfangs ungewohnt und hat mir sehr viel

Planungssicherheit genommen. Rückblickend hat sich jeder Stressmoment gelohnt, denn schon in den ersten Tagen wusste ich: Genau hier soll ich sein.

Istanbul ist mehr als nur eine Großstadt – es ist ein Lebensgefühl. Die Stadt vereint so viele Gegensätze: In einem Viertel fühlt man sich wie in einer ruhigen Küstengegend am Meer, mit kleinen Cafés und entspannter Atmosphäre – und nur zehn Minuten später steht man mitten im pulsierenden Großstadtleben umgeben von hohen, modernen Gebäuden. Genau diese Kontraste machen Istanbul so besonders. Mir wurde hier nie langweilig. Jeder Tag hatte etwas Neues zu bieten. Die Menschen sind offen, herzlich und voller Energie – und das steckt an!

Da ich selbst Türkisch spreche und schon oft in Istanbul war, war es für mich ein absoluter Traum, mein Praxissemester genau hier zu verbringen. Eine Stadt, die ich zuvor als Reiseziel kannte, plötzlich meinen Alltag nennen zu dürfen, war etwas ganz Besonderes. Ich konnte das Land und die Kultur noch einmal aus einer ganz neuen Perspektive erleben – nicht als Besucherin, sondern als Teil des Ganzen.

Gleichzeitig war der Start nicht ganz einfach. Da ich mein Erasmus+ nicht an einer

Universität, sondern in Form eines Praktikums absolvierte, fehlte mir zunächst der typische Anschluss an andere Erasmus-Studierende. Es gab keine Einführungsveranstaltungen oder feste Gruppen, in die man automatisch integriert wird. Am Anfang fühlte sich das ungewohnt an. Also wurde ich selbst aktiv: Ich suchte online nach Erasmus-WhatsAppGruppen, vernetzte mich über Social Media und fand sogar über TikTok unter dem Hashtag „Erasmus Istanbul“ andere Studierende. Dieser Schritt hat mir gezeigt, wie wichtig Eigeninitiative ist – und dass man sich sein Umfeld oft selbst schaffen muss.

Es gab aber auch sehr viele Momente, in denen ich Dinge bewusst alleine gemacht habe – ich war alleine in Cafés, habe neue Orte erkundet und sogar alleine Konzerte besucht. Dabei habe ich gemerkt, dass man nicht immer auf andere warten muss, um etwas zu erleben. Oft reicht man sich selbst.

Auch mein Praktikum war eine prägende Erfahrung. Ich arbeitete in einem digitalen Start-up, das eine Gesundheits- und Lifestyle-App entwickelt. Von Beginn an wurde ich ins Team integriert und durfte aktiv an Projekten mitarbeiten. Besonders spannend war die Mitarbeit an der Neuentwicklung und dem Launch der App. Ich konnte miterleben, wie eine App konzipiert, designt und schließlich auch vermarktet wird. Zusätzlich erhielt ich Einblicke in eine kreative Digitalagentur und durfte dort an Projekten für externe Marken mitarbeiten – eine Erfahrung, die mein Verständnis für Markenkommunikation und Social Media nochmals vertieft hat.

Doch am Ende war dieses Semester so viel mehr als nur Berufserfahrung. Es hat meinen Horizont erweitert, mich selbstständiger gemacht und mir gezeigt, wie viel möglich ist, wenn man an seinen Zielen festhält.

Erasmus+ war für mich nicht nur ein Förderprogramm, sondern eine Chance, einen persönlichen Traum zu verwirklichen. Und wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, weiß ich: Es war jede Bewerbung, jeder Zweifel und jede Hürde wert. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich noch in meiner Wohnung in Istanbul – zwischen gepackten Gedanken und unendlicher Dankbarkeit. Istanbul wird für mich immer der Ort bleiben, an dem ich ein Stück mehr bei mir selbst angekommen bin. Und ich weiß: Ein Teil von mir wird immer hierbleiben.

Allen, die überlegen, ein Auslandspraktikum zu machen, kann ich nur sagen: Traut euch. Man wächst mehr, als man es sich je vorstellen kann. Diese Erfahrungen sind so viel wert.

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