Wie läuft ein professioneller Musikvideodreh eigentlich ab – und welche Rolle spielt Organisation dabei hinter den Kulissen? Beim Dreh zu Max Raabes Song “Ans Herz geh’n” konnte ich genau das miterleben und selbst Teil des Produktionsteams sein.
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In meiner dritten Woche bei Motor Music hatte ich die Möglichkeit, den Musikvideodreh zu Max Raabes Song “Ans Herz geh’n” zu begleiten. Dieser Drehtag stellte einen besonderen Höhepunkt meines Praktikums dar, da er mir sowohl einen Einblick in die Produktionsabläufe eines professionellen Musikvideos als auch die Gelegenheit bot, selbst aktiv Verantwortung zu übernehmen. Im Rahmen der Komparsenbetreuung war ich nicht nur beobachtend tätig, sondern direkt in die Abläufe am Set eingebunden.
Als erste Ansprechpartnerin für Komparsinnen und Komparsen gehörte es zu meinen zentralen Aufgaben, die erforderlichen Rechteübertragungen einzuholen und mithilfe des Callsheets den Überblick über die Drehzeiten zu behalten. Darüber hinaus stellte ich sicher, dass alle Beteiligten rechtzeitig zum jeweiligen Aufruf bereitstanden. Dies erforderte ein hohes Maß an Organisation und ein sicheres Kommunikationsvermögen, insbesondere im dynamischen Umfeld eines Filmsets.
Einblick in den Ablauf einer Musikvideoproduktion
Zur Vorbereitung auf den Drehtag machte ich mich intensiv mit der Disposition vertraut, die sämtliche Informationen wie Zeitplan, Drehort und Kontaktdaten aller Beteiligten enthielt. Ergänzend dazu lag ein detailliertes Callsheet vor, in dem die insgesamt 40 Komparsinnen und Komparsen mit ihren Ankunfts- und Drehzeiten aufgeführt waren. Bereits im Vorfeld war ich gespannt darauf, wie die kreative Idee des Songs visuell umgesetzt werden würde.
Der Dreh fand im Lichthof der Alten Münze statt, einem hellen Industriegebäude, das zwar szenisch eher zurückhaltend wirkte, jedoch gut zur ruhigen Atmosphäre des Musikvideos passte. Zunächst traf das Produktionsteam ein, um das Set vorzubereiten, die technische Ausstattung aufzubauen sowie Snacks und Getränke für alle Beteiligten bereitzustellen. Aufgrund der niedrigen Temperaturen in der Halle, die kaum über der Außentemperatur lagen, war ich für den heißen Tee besonders dankbar.
Etwa eine Stunde vor Drehbeginn war auch ich vor Ort und verschaffte mir anhand des Callsheets erneut einen Überblick über den geplanten Ablauf. Da für jede Szene mit Komparsinnen und Komparsen genau zehn Minuten vorgesehen waren, war eine präzise Koordination erforderlich. Ich musste stets im Blick behalten, wer als Nächstes an der Reihe war und sicherstellen, dass alle rechtzeitig am Set erschienen. Um die Kommunikation mit dem Team zu erleichtern, erhielt ich ein Walkie-Talkie – im ersten Moment etwas ungewohnt, aber letztlich sehr praktisch, um intern Absprache zu halten, ohne den Dreh zu unterbrechen.
Gefilmt wurde mit einer 360°-Kamera, die sich während eines Takes rund zwei Minuten um die gefilmten Personen drehte. Während dieser Zeit, durfte der Raum nicht betreten werden. Im angrenzenden Nebenraum konnte ich das Geschehen jedoch über einen Monitor mitverfolgen. Nach jedem Cut war das Produktionsteam sofort wieder einsatzbereit: Die Kamera wurde umgehend auf ihre Ausgangsposition zurückgestellt, die nächsten Komparsinnen und Komparsen wurden aufgerufen und der folgende Take konnte beginnen. Besonders beeindruckt hat mich die Effizienz und Reibungslosigkeit, mit der alle Arbeitsschritte ineinandergriffen.
Parallel zur eigentlichen Musikvideoproduktion fanden zudem kurze Drehs für Social Media statt. Gemeinsam mit Max Raabe sowie einigen Komparsinnen und Komparsen wurden Behind-the-Scenes-Aufnahmen und kurze Interviews gefilmt. Diese Inhalte dienten dazu, Einblicke in die Produktion und die Abläufe hinter dem Musikvideo zu geben und das Projekt auch über digitale Kanäle zu begleiten.
Nachdem alle Takes umgesetzt wurden und die Komparsenbetreuung nicht länger erforderlich war, konnte ich das Set nach knappen sechs Stunden verlassen. Der anschließende Abbau sowie die Postproduktion übernahm das Produktionsteam. Innerhalb eines vorab festgelegten Zeitrahmens wurden sowohl Musikvideo als auch die Inhalte für Social Media geschnitten, aufbereitet und schließlich zum geplanten Release veröffentlicht.
Learnings aus der Praxis
Aus persönlicher Perspektive verlief der Drehtag sehr positiv. Die Komparsinnen und Komparsen erschienen alle pünktlich, was die Koordination am Set erheblich erleichterte. Trotz des straffen Zeitplans herrschte am Set eine angenehme Arbeitsatomsphäre. Es wurde deutlich, dass es sich um ein eingespieltes Team handelte, das auf umfangreiche Erfahrungen in vergleichbaren Projekten zurückgreifen konnte.
Der Musikvideodreh zu Max Raabes “Ans Herz geh’n” war ein prägendes Erlebnis und ein Höhepunkt meiner bisherigen Zeit bei Motor Music. Besonders im Kontext eines Studiums mit Bezug zur Musik- und Kreativbranche stellte dieser Drehtag eine wertvolle Ergänzung dar. Während im Studium vor allem theoretische Grundlagen und Marktstrukturen vermittelt wurden, bekam ich durch die Arbeit am Set einen unmittelbaren Einblick in die praktische Umsetzung musikalischer Inhalte.
Ich konnte nachvollziehen, wie viele unterschiedliche Parteien an der Entstehung eines Musikvideos beteiligt und wie eng organisatorische, technische und kreative Prozesse miteinander verknüpft sind. Es wurde deutlich, dass transparente Kommunikation, ein realistischer Zeitplan und klare Zuständigkeiten entscheidend dafür sind, dass kreative Ideen auch umgesetzt werden können. Besonders spannend war es, Arbeitsabläufe nicht nur aus Beobachter*innenperspektive, sondern deren Dynamiken, Zeitdruck und Teamstruktur aus nächster Nähe kennenzulernen.