Mein Praxissemester in Oviedo
Oviedo ist für mich kein Neuland. Als Halbspanierin kenne ich die asturische Hauptstadt schon lange von Familienbesuchen.
Aber genau das war der Reiz: Funktioniert die Stadt, die ich bisher nur aus dem „Urlaubsmodus“ kenne, auch als Lebensmittelpunkt für den Berufsalltag? Statt Neuentdeckung war dieses Semester für mich also eher ein Testlauf: Kann ich mir vorstellen, hier später wirklich zu leben und als Psychologin zu arbeiten?
Vorbereitung & Realitätscheck
Da ich die Sprache spreche und die Stadt kenne, fiel die Eingewöhnung weg. Ich konnte sofort voll einsteigen. Trotzdem war das Erasmus+ Stipendium essenziell für mich. Da das Praktikum unvergütet ist, gab mir die Förderung die nötige finanzielle Freiheit, um meinen Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten und mich voll auf die Arbeit zu konzentrieren. Ein großer Vorteil, wenn man die Gegend schon kennt: Ich wusste genau, worauf ich mich einlasse, inklusive des Wetters. Asturien ist grün und regnerisch, aber dafür ist die Lebensqualität und vor allem das Essen unschlagbar.
Arbeiten bei der Praxis VIVEKA
Mein Praktikum absolvierte ich bei VIVEKA, einer privaten psychologischen Praxis. Das war für mich die wichtigste neue Erfahrung. Bisher kannte ich nur das private Leben hier, jetzt lernte ich die spanische Arbeitswelt kennen. Da es sich um eine Einzelpraxis handelt, hatte ich keine „Kollegen“ im klassischen Sinne, sondern einen direkten Draht zur Inhaberin. Das war sehr lehrreich.
Meine Aufgaben:
Hospitation: Ich durfte bei Therapiesitzungen dabei sein. Das ist nicht selbstverständlich und erfordert viel Vertrauen. Zu sehen, wie therapeutische Methoden in meiner zweiten Mutterspra-che professionell angewendet werden, war super spannend.
Mitarbeit: Ich habe Materialien vorbereitet und Recherchen übernommen, um die Sitzungen zu unterstützen.
Der größte Unterschied zur Uni: Hier geht es um echte Fälle und echte Verantwortung. Ich habe gelernt, wie man eine Praxis organisiert und wie der Spagat zwischen persönlicher Empathie und professioneller Distanz funktioniert.
Freizeit: Auch wenn ich Oviedo schon kannte, war es schön, die Stadt mal als „Berufstätige“ zu erleben. Nach Feierabend einfach durch die Altstadt zu laufen oder am Wochenende die bekann-ten Ecken zu besuchen, hat mir viel gegeben. Besonders die Weihnachtszeit genieße ich hier immer sehr, die Beleuchtung in der Innenstadt ist einfach spektakulär. Wenn ich mal raus wollte, hat es mich an die Küste gezogen. Orte wie Salinas, Luanco oder Tazones sind für mich immer einen Ausflug wert. Einfach am Hafen sitzen, gut essen und aufs Meer schauen, das ist für mich der perfekte Ausgleich. Apropos Essen: Die Qualität hier in Asturien ist einfach top, egal ob Käse, Fisch oder der typische Sidra.
Mein Fazit
Das Experiment ist geglückt. Ich weiß jetzt, dass Oviedo für mich nicht nur ein Ort für Familienbesuche ist, sondern auch beruflich eine echte Option sein kann. Die Arbeit bei VIVEKA hat mich in meinem Berufswunsch bestärkt und mir gezeigt, dass ich mich auch im spanischen Arbeitsumfeld absolut wohlfühle.