24. Mai 2022 | Von Ulli Kuhn 

Ulli’s Journalistik-Studium 

Seit Oktober 2020 studiere ich Journalistik an der Macromedia-Hochschule in München. In nun drei Semestern konnte ich schon so einiges erleben. Wenn du ein paar Eindrücke zu diesem Studiengang suchst, bist du hier genau richtig. Ich versuche dir zu zeigen was ich bisher alles gelernt habe, warum der Beruf so unglaublich wichtig ist und wieso Journalisten eigentlich Ritter sind.

Ulli’s Journalistik-Studium 

Natürlich habe ich sehr viel darüber gelernt, wie man Texte schreibt. Wie man einen dramaturgischen Bogen in seinen Beitrag bringt, wie man die Regeln der Rhetorik für sich nutzt oder dass man immer auf Objektivität achten sollte. Da diese Lerninhalte in solch einem Studium wahrscheinlich keinen überraschen, versuche ich dir mal zu erklären, was man sonst noch so lernt.  

Der Journalismus ist wichtiger Bestandteil jedes Systems. Ob despotisch oder demokratisch, ob frei oder unfrei. Jedes System braucht Menschen, die Informationen an andere Menschen herantragen. In unfreien Systemen wird Journalismus benötigt, um die Weltsicht der Elite an die Bürger heranzutragen. In freien Gesellschaften wird Journalismus benötigt, um das Volk zu informieren. Nur so funktioniert die Gesellschaft. Demokratien im Besonderen, bedürfen einer aufgeklärten, gebildeten Wählerschaft. Wo die Menschen um die Vergangenheit, die Wissenschaft und die Begebenheiten der Gegenwart wissen, dort haben es betrügerische Politiker, Populisten und Despoten schwer.

„Ein tapferer Mann“
Zur Stunde als ich diesen Text schreibe, ist Putins Invasion in der Ukraine im vollen Gange. Er ist angeblich dort, um die Ukrainer von einer Nazi-Regierung zu befreien. Ein tapferer Mann, dieser Putin. So vermag man jetzt zu denken, wenn man russische Medien als Informationsquelle heranzieht. Die Realität sieht allerdings etwas anders aus. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir alle diese Wahrheit kennen. Wir können uns sicher sein, dass Putin einen großen Aufwand betreibt, die Menschen von der Wahrheitsfindung abzuhalten. Auch uns.  

Daran erkennt man gut, wie wichtig Journalismus ist. Putin hatte im Vorfeld der Invasion eine großangelegte Propagandawelle gestartet, um die russische Bevölkerung auf die Invasion vorzubereiten. Hätte Putin in Russland eine freie Presse, die seine Regierungshandlungen immer wieder auf den Prüfstand stellt und die russischen Bürger über die wahren Begebenheiten in der Welt informieren würde, dann hätte es Putin wohl sehr schwer, eine schlagkräftige Truppe für seinen heimtückischen Angriffskrieg aufzustellen. Naja, wenn wir ehrlich sind, wäre dieser Unmensch wohl schon lange nicht mehr an der Macht.  

Das Beispiel Putin zeigt uns auf sehr dramatische Weise, wie wichtig ein gut informiertes Volk ist. Ein funktionierender Journalismus kann Kriege verhindern. Oder eben auch am Laufen halten. Journalismus ist also ein sehr wichtiger Beruf. Das zu verstehen, war meinen Professor:innen ein großes Anliegen. Dafür bin ich sehr dankbar. 

Für die Königin!
Meine Professor:innen sagen immer „ohne Journalismus gibt es keine Demokratie“. Nur wer genau weiß was um einen hberum geschieht, kann kluge (Wahl-)Entscheidungen treffen. Unsere Journalisten gehen also für uns hinaus in die Welt und liefern uns das Wichtigste kurz und knapp, auf dem Silbertablett. Sie riskieren dafür mal mehr, mal weniger. Im Ukraine-Krieg riskieren sie mitunter Leib und Leben, um uns gesicherte Informationen zu diesem Krieg liefern zu können. Man könnte auch einfach die Informationen der ukrainischen und russischen Presse „kopieren“. Aber guter Journalismus, wie wir ihn bei uns in Deutschland pflegen wollen, funktioniert so eben nicht. Informationen sind ein kritisches Gut. Es wäre milde gesagt unklug, dieses Gut immer nur von Dritten einzuholen. Die russischen Medien würden uns einfach glauben machen, dass sie das arme Opfer sind und sich nur verteidigen. Aber auch den ukrainischen Medien ist nicht zu trauen. Sie sind schließlich genauso in den Krieg involviert und berichten – verständlicherweise – in eigener Sache. Also gehen unsere Journalisten direkt in das Kriegsgebiet, und berichten für uns. Journalisten sind daher quasi die Ritter der Neuzeit und die Königin, der sie dienen, ist die Demokratie. Ein Glück, dass es sie gibt. Lang lebe die Königin! Und lang lebe freier Journalismus!

Ich hoffe ihr verzeiht mir diese schnulzige Liebeserklärung an den Journalismus. War schlimm, ich weiß. Ab jetzt wieder etwas seriöser.

Fake oder News
Um bei dem Beispiel des Ukraine-Kriegs zu bleiben: Woher weiß ich, welchem Medium ich trauen kann, und welchem nicht? Die russischen Medien werfen uns vor, Propaganda zu verbreiten. Wir werfen wiederum ihnen vor Propaganda zu verbreiten. Was stimmt nun? Eine Frage die viele Menschen verwirrt. Eine Frage die sich mir – mitunter – durch mein Studium nicht mehr stellt. Der Unterschied liegt in den Mediensystemen. Unsere Medien sind nun einmal faktisch freier von Einflüssen durch Politik oder Wirtschaft als es die russischen Medien sind. Unzählige Institutionen, Gesetze und Presseabteilungen befassen sich täglich damit, uns eine vielfältige, freie Presse zu garantieren. In Russland ist das System nun ja, sagen wir mal etwas anders gestrickt. Mediengesetze werden dort vor allem erlassen, um Medienfreiheiten einzugrenzen. Es gibt ein gewisses Narrativ, aus dem keiner Ausscheren darf. Oft unter der Androhung hoher Geld- oder sogar Haftstrafen. Da liegt der Unterschied. Wenn ihr auf jemanden trefft der Propaganda oder Verschwörungstheorien glauben schenkt ist dieses Wissen um die Mediensysteme Gold wert.

Es ist in Deutschland als Politiker oder Wirtschaftslenker sehr schwierig, die Medien seiner Meinung zu unterwerfen. Kein Journalist kann je dafür belangt werden kritische Fragen zu stellen. Ein Gut, dass es bis jetzt nicht in jedem Land gibt.

Unterm Strich

Was bleibt unterm Strich zu sagen? Mein Studium macht mir sehr viel Spaß. Ich sehe einen großen Sinn in meiner zukünftigen Arbeit. Wenn du von Grund auf neugierig bist und du viel zu sagen hast, probiere es doch unbedingt mal aus. Viele Wege führen zum Journalismus. „Journalis:in“ ist kein geschützter Begriff. Es gibt viele Ausbildungen/Studiengänge oder Ähnliches die dir das Handwerk beibringen. Natürlich kannst du es aber auch auf eigene Faust versuchen. Die Frage ist nur wie professionell das Ganze am Ende dann ist. Für mich war es die richtige Entscheidung an die Macromedia zu kommen. Zum Glück leben wir aber in einem freien Land. Tu also gerne was du willst, solange du keinem anderen schadest. Viel Spaß beim Ausprobieren.

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