2. Mai 2022 | Von Ulli Kuhn 

Mein steiniger Weg zum Journalismus-Studium

Da ich im Alter von 17 Jahren nichts weiter in der Tasche hatte als einen mäßigen Hauptschulabschluss, hielt ich ein Journalismus-Studium – wie ich es mir schon immer wünschte – für unerreichbar. Wie ich es dann doch geschafft habe, erfährst du in diesem Blog-Beitrag.

Mein steiniger Weg zum Journalismus-Studium

Als ich 17 Jahre alt war, lag mein Hauptschulabschluss mittlerweile zwei Jahre zurück. Danach hatte ich zwei missglückte Versuche gestartet an einer Privatschule meine Mittlere Reife nachzuholen. Zu dieser Zeit hatte ich das Leben nicht wirklich ernst genommen. Alles war mir wichtiger als Schule und Karriere. Die zwei Rückschläge hatten mir zusätzlich noch einmal verdeutlicht, dass ich mir ein Studium ganz sicher abschminken kann. Wie denn auch, wenn ich nicht einmal die Mittlere Reife bestehe?
Planlos und demotiviert fing ich ein Jahrespraktikum als Betreuer in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung an. Einfach nur aus dem Grund, da ich keine Lücke in meinem Lebenslauf wollte. Wirklich Lust auf die Arbeit hatte ich kaum. Als ich zum Probearbeiten kam, wusste ich dennoch schon im Voraus, dass ich die Stelle auf jeden Fall nehme, auch wenn sie mir nicht gefällt. Mir war alles lieb, so lange ich nicht wie ein Verlierer zu Hause sitze und nichts tue.

Ausbildung zum Heilerziehungspfleger
Das Probearbeiten hat mir dann überraschend gut gefallen. Als ich dann für die Stelle genommen wurde war ich nicht nur glücklich irgendetwas zu haben, sondern blickte sogar vorsichtig freudig auf das kommende Jahr. In den Wochen und Monaten danach lebte ich mich dann wirklich gut in der Einrichtung ein. Meine Arbeitskollegen rieten mir, doch eine Ausbildung als Heilerziehungspfleger anzustreben und ich freundete mich durchaus mit dem Gedanken an. Da man mit dem erfolgreichen Abschluss zum Heilerziehungspfleger einen „meistergleichen Titel“ erhält, und man mit einem solchen Abschluss in Bayern auch eine allgemeine Hochschulzulassung erhält, wäre dann mein heißgeliebtes Journalismus-Studium plötzlich doch erreichbar.
Blieb nur ein Problem. Um eine Heilerziehungspflege-Ausbildung (HEP) anzufangen, braucht es zunächst die Mittlere Reife. Da ich aber schon zwei Mal durch die Prüfung gerasselt war, und das die maximale Anzahl der Versuche darstellt bevor man für die Prüfung gesperrt wird, musste ich mir etwas anderes überlegen. Als ich der zuständigen Berufsschule meinen Fall schilderte, erklärte man mir, dass es eine ein-jährige Ausbildung zum sogenannten „Heilerziehungspflegehelfer“ gibt. Mit dem erfolgreichen Abschluss bekommt man nebenbei auch die Mittlere Reife bescheinigt.

Mächtig stolz
Auf einmal schöpfte ich vorsichtige Zuversicht. Natürlich war noch lange nicht gesagt, dass ich alles was ich mir hier vornehme, auch bestehe. Schließlich habe ich bis zu diesem Zeitpunkt in der Schule nicht gerade durch Bestleistungen bestochen. Außerdem lag nun ein sehr langer Weg vor mir. Die HEP-Ausbildung verlangt (wenn man keine zuvor abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann) eine zweijährige Berufserfahrung in Form von Jahrespraktikas, Bufdi und/oder FSJ, bevor man die Ausbildung überhaupt antreten darf.
Also absolvierte ich nach meinem ersten Praktikumsjahr noch ein weiteres Jahr als Praktikant, diesmal als Bundesfreiwilligendienst-leistender. Nun konnte ich zunächst die einjährige HEP-Helferausbildung beginnen. Zu dieser Zeit hatte sich auch in meinem Kopf vieles geändert. Ich war nicht mehr der demotivierte, planlose Jugendliche, der ich mit 17 war. Nun, zwei Jahre später war ich das genaue Gegenteil. Zielsicher und hoch motiviert. Ich schloss die HEP-Helferausbildung so gut ab, dass ich das erste Jahr der HEP-Ausbildung überspringen konnte und mir so ein ganzes Jahr sparte. Ich war mächtig stolz.

Ich war niedergeschlagen
Nun lagen also nur noch zwei anstatt drei Jahre Ausbildung vor mir. Doch mein jähes Glück endete abrupt, als mich ein familiärer Notfall dazu zwang, die Ausbildung für ein Jahr zu pausieren. Mein Arbeitgeber ließ mich zum Glück weiter für ihn arbeiten (an dieser Stelle ein fettes Dankeschön an die Mainfränkischen Werkstätten!), sodass ich nach einem Jahr nahtlos wieder in den Mittelkurs einsteigen konnte. Die einjährige Pause verlangte mir jedoch viel ab und ich war selbstverständlich immer noch etwas niedergeschlagen.
Nichtsdestotrotz nahm ich ein Jahr später die Ausbildung wieder auf und absolvierte die Ausbildung im Jahr 2019 erfolgreich mit einem fachgebundenen Abitur und dem meistergleichen Titel „staatlich geprüfter Heilerziehungspfleger“. Das fachgebundene Abitur war im Nachhinein eigentlich gar nicht mal so wichtig. Wichtig war vor allem der meistergleiche Titel. Ich bekam eine Meisterprämie vom Freistaat Bayern in Höhe von 2000€. Das hat geschmeckt. Noch wichtiger aber, mit diesem Titel erwarb ich eine allgemeine Hochschulzulassung. Richtig gehört: „allgemeine“ Hochschulzulassung. Nix fachgebunden. Ich war von nun an frei in der Wahl meines Studiengangs.
Mittlerweile studiere ich im dritten Semester Journalistik an der Hochschule Macromedia in München. Bääm! Einfach, Bääm!
Die Moral von der Geschicht‘: Zweifel und Rückschläge gibt es immer. Ist ganz normal, und gehört zum Leben genauso dazu wie Zuversicht und Erfolg. Egal was vor euch liegt, glaubt an euch und zieht es durch. Lasst euch von Rückschlägen auf keinen Fall aufhalten. Einfach weiter machen.

Fun-Fact für Bis-zum-Ende-Leser
Da ich schon lange vorher wusste, dass ich mit dem Abschluss zum Heilerziehungspfleger einen meistergleichen Titel erlange, nahm ich mir schon zu Beginn der Ausbildung vor, dass wenn ich es schaffe diese Ausbildung zu bestehen, ich zur Zeugnis-Übergabe als Jedi-Meister verkleidet komme. Schließlich wäre ich ab da quasi ein (Jedi-)Meister. Gesagt, getan. Alle kamen mit Hemd oder Kleidchen zur Abschlusszeremonie, ich stolz in Jedi-Meisterrobe. Ihr glaubt mir nicht? Hier seht ihr das Beweisfoto 😊

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