20. October 2025 | Von Mira Seifert 

Tapas, Tests & Tinto de Verano

Mein Auslandssemester in Sevilla

Tapas, Tests & Tinto de Verano

Als ich beschlossen habe, mein Auslandssemester in Sevilla zu verbringen, hatte ich sofort Bilder von Orangenbäumen und Sonnentagen im Kopf. Nach den ersten Wochen hier an der Universität EUSA kann ich bestätigen: Die Sonne stimmt, die Orangen eher nicht, dafür gibt es viele Limettenbäume. Dafür habe ich auch jede Menge spannende und teilweise ziemlich kuriose Erfahrungen gesammelt, die ich hier mit euch teilen möchte. 

 

Uni-Alltag mit Bier und Sonnenschein 

Los ging alles mit dem berühmten Orientation Day. Die Dozenten erklärten uns noch einmal, welche Fächer wir belegen müssen. Etwas schade fand ich, dass wir unsere Kurse nicht selbst wählen durften, aber das waren die Vorgaben von der Macromedia. Außerdem wurde uns erklärt, wie die Prüfungen ablaufen und was sonst noch auf uns zukommt. Sehr beruhigend: Die Prüfungsabgaben sind ähnlich wie bei der Macromedia. Danach gab es Kaffee und eine kleine Tour durch Sevilla bis zum Plaza de España. Ein guter Start, besonders für Koffein-Junkies wie mich. 

Der Campus selbst ist spannend, besonders auffällig ist aber die Internationalität: Ich habe Studierende aus Deutschland, Frankreich, den USA, den Niederlanden und vielen anderen Ländern kennengelernt. Die spanischen Kommilitonen wirken im Vergleich eher reserviert und manchmal fast ein bisschen unfreundlich. Ein kleiner Culture-Clash, den ich so nicht erwartet hatte. 

Was mich ebenfalls überrascht hat: Die Dozenten an der EUSA sind unglaublich freundlich und haben ein offenes Ohr für jede Frage. Selbst wenn man zum dritten Mal dieselbe Sache nachfragt, wird noch geduldig erklärt und dabei gelächelt. Diese Herzlichkeit macht das Studieren hier viel entspannter, selbst wenn man mit einem leichten Kater aus der letzten Studentenparty in der Vorlesung sitzt. 

Der größte Schockmoment? In der Uni-Cafeteria gibt es Bier. Am Nachmittag sitzen Studierende dort mit einem kühlen Getränk, obwohl sie eigentlich noch Unterricht haben. In Deutschland wäre das undenkbar, hier gehört es offenbar zum guten Ton. Ich habe mich kurz gefragt, ob ich im falschen Film gelandet bin oder ob ich vielleicht auch eins bestellen sollte. 

Auch abseits des Campus ist das Studentenleben in Sevilla ein Abenteuer. Man hat kaum eine Chance, sich zu langweilen, denn es gibt eigentlich jeden Tag etwas zu erleben. Partys, Konzerte und spontane Tapas-Abende sind an der Tagesordnung. Wer Ruhe sucht, findet sie zum Beispiel im Maria-Luise-Park. Besonders aktiv ist die Studentenorganisation, die regelmäßig Events organisiert. Es gibt Clubnächte, aber auch Stadtführungen oder Wochenendtrips nach Marokko oder Portugal. 

Mein Highlight bisher war ein Ausflug nach Cádiz, genauer gesagt zum Bolognia Beach. Da das Wetter an diesem Tag leider nicht wirklich mitspielte, hatten wir zwar kein türkisblaues Wasser und Sonne, dafür aber feinen Sand und eine sehr erfrischende Abkühlung. 

Und das Beste: Man lernt ständig neue Leute aus aller Welt mit den unterschiedlichsten Geschichten kennen. Irgendwann weiß man gar nicht mehr, auf welcher Sprache man sich gerade unterhält. 

 

WG-Leben und kleine Kulturlektionen 

Zur Unterkunft kann ich nur empfehlen: WG statt Wohnheim. Es ist günstiger, man spart eine Menge Geld und bekommt automatisch Anschluss. Ich wohne mit supernetten Mädels zusammen, und eine von ihnen ist Chilenen – perfekt, um Spanisch zu üben. Am Anfang beschränkte sich mein Wortschatz auf „cerveza“ und „gracias“. Mittlerweile kann ich immerhin auch sagen „Wo ist das nächste WLAN?“ oder „Können wir bitte Pizza bestellen?“ 

Das WG-Leben ist aber nicht nur praktisch, sondern auch eine Art Crashkurs in die spanische Kultur. Mittagessen um 14 Uhr ist hier völlig normal. Während ich in Deutschland zu dieser Zeit schon fast wieder Hunger auf den nächsten Snack hätte, decken die Spanier gerade erst den Tisch. Abendessen beginnt meist erst gegen 21 Uhr, was meine innere Uhr anfangs ziemlich verwirrt hat. 

Nach den ersten Wochen ziehe ich ein Zwischenfazit: Studieren in Sevilla bedeutet weit mehr als nur Vorlesungen zu besuchen. Es heißt, sich auf eine neue Kultur einzulassen, Freundschaften aus aller Welt zu schließen und zu lernen, mit Adiletten zum Unterricht zu gehen, weil die Sonne sowieso wieder scheint. 

Würde ich es empfehlen? Absolut. Wer Lust auf Sonne, Tinto de Verano und spanische Gelassenheit hat, sollte sich Sevilla nicht entgehen lassen. Es ist eine Erfahrung, die man nicht so schnell vergisst, auch wenn man danach wahrscheinlich für immer den Reflex hat, Bier in Cafeterien zu suchen. 

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