Drei Mythen aus meinem Praxissemester
Mein Praktikum neigt sich nun langsam dem Ende zu. In den letzten Monaten konnte ich viele Einblicke in die Arbeit im Consulting gewinnen und habe dabei gemerkt: Über Beratung gibt es ziemlich viele Vorstellungen, Klischees und Mythen.
Manche davon sind nicht komplett falsch, andere greifen deutlich zu kurz. Deshalb kommen hier drei typische Mythen über die Arbeit im Consulting und was aus meiner Sicht wirklich dran ist.
Mythos 1: Consulting besteht nur aus PowerPoint und Excel
Teils wahr.
Ja, PowerPoint und Excel spielen im Consulting definitiv eine große Rolle. Viele Ergebnisse müssen strukturiert, verständlich und optisch sauber aufbereitet werden. Gerade bei Marktanalysen, Wettbewerbsvergleichen oder Gutachten arbeitet man häufig mit Tabellen, Zahlen, Quellen und Präsentationsfolien.
Aber Consulting besteht nicht nur daraus, schöne Slides zu bauen oder Zahlen in Excel einzutragen. Hinter jeder Tabelle und jeder Folie steckt meistens viel Recherche, Analyse und Einordnung. Man muss verstehen, welche Informationen wirklich relevant sind, wie belastbar eine Quelle ist und wie man komplexe Inhalte so zusammenfasst, dass sie für andere nachvollziehbar werden.
Mythos 2: Als Praktikant:in macht man nur einfache Zuarbeit
Nein, zumindest nicht nur.
Natürlich gehören auch klassische unterstützende Aufgaben dazu. Man recherchiert Quellen, bereitet Tabellen vor, formatiert Dokumente oder übernimmt organisatorische Dinge. Das ist Teil des Arbeitsalltags und oft auch wichtig, damit größere Projekte überhaupt funktionieren.
Gleichzeitig war ich überrascht, wie viel Verantwortung man im Praktikum teilweise übernehmen kann. Ich habe nicht nur zugearbeitet, sondern auch eigene Abschnitte geschrieben, Recherchen selbstständig durchgeführt, Marktwerte berechnet, Interviewprozesse unterstützt und an Gutachten mitgearbeitet. Gerade wenn man zuverlässig arbeitet und sich schnell in neue Themen einarbeitet, kann man auch als Praktikant:in Aufgaben übernehmen, die inhaltlich anspruchsvoll sind. Man ist also nicht einfach „nur Praktikant:in“, sondern oft ein aktiver Teil des Projektteams.
Mythos 3: Im Consulting arbeitet jeder 70 Stunden pro Woche
Teils wahr, aber sehr abhängig vom Bereich und Unternehmen.
Die Vorstellung, dass im Consulting grundsätzlich jede Woche aus langen Arbeitstagen besteht, hält sich ziemlich hartnäckig. Ganz falsch ist sie nicht: Gerade in klassischen Strategieberatungen, bei sehr großen Projekten oder in intensiven Projektphasen können die Arbeitszeiten durchaus länger und die Deadlines eng sein.
Trotzdem lässt sich das nicht pauschal auf „Consulting“ insgesamt übertragen. Consulting ist ein sehr breites Feld. Zwischen Strategieberatung, IT-Beratung, Inhouse Consulting, Boutique-Beratungen oder spezialisierten Beratungen gibt es große Unterschiede, sowohl bei den Aufgaben als auch bei der Arbeitskultur und den Arbeitszeiten. Mein Eindruck ist deshalb: Ja, Consulting kann fordernd sein, aber nicht jede Beratung bedeutet automatisch 70-Stunden-Wochen. Viel entscheidender ist, in welchem Beratungsumfeld man arbeitet und wie Projekte intern organisiert sind.
Mein Fazit
Was ich aus dem Praxissemester vor allem mitnehme: Consulting ist nicht dieser eine starre Karriereweg, den viele im Kopf haben. Es gibt nicht nur die eine Art von Beratung, den einen typischen Arbeitsalltag oder den einen Menschentyp, der dafür gemacht ist. Consulting kann analytisch, kreativ, strategisch, organisatorisch, zahlenlastig oder kommunikativ sein, manchmal sogar alles gleichzeitig. Je nachdem, wo man arbeitet, mit welchen Themen man sich beschäftigt und in welchem Team man landet, kann der Job komplett unterschiedlich aussehen. Es ist ein vielseitiges Berufsfeld und gerade deshalb deutlich spannender, als man von außen vielleicht denkt.